Donnerstag, 18. August 2011

Senk ju for trävelling wis Air Berlin

Joachim Hunold tritt als Vorstandsvorsitzender bei Air Berlin zurück - und der Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn soll das Ruder übernehmen. Fast 20 Jahre lang hat Hunold das Unternehmen aufgebaut - aber er konnte es nie dauerhaft aus den roten Zahlen fliegen. Gewinne? Fehlanzeige. Mal soll es an den hohen Kerosinpreisen gelegen haben, mal an der Luftverkehrsabgabe, dann an den Unruhen in Nordafrika.... irgendwas war immer. Und Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte schon vor Jahren das baldige Ende von Air Berlin prophezeit. Jetzt muss kräftig gespart werden - harte Einschnitte stehen bevor. Der Wechsel an der Spitze war nur der Anfang.

616 Millionen Euro Schulden! Eine enorme Summe. Andere Airlines schaffen es, auch in schwierigen Zeiten kontinuierlich Gewinne einzufliegen. Ryanair oder Southwest in den USA. Doch bei diesen beiden Airlines ist klar: Es sind Billigflieger. Nichts anderes. Air Berlin hingegen ist... ja was eigentlich? Billigflieger? Liniencarrier? Chartergesellschaft? Air Berlin fliegt mit unterschiedlichen Fluggeräten, auf Kurzstrecke, auf Mittelstrecke, auf Langstrecke. Und zukünftig unter dem Luftfahrbündniss One World sogar als globaler Netzwerkcarrier. Man fragt sich: Hatte Hunold hier überhaupt noch selbst den Durchblick?

Die Übernahme von dba und LTU, die Einverleibung der Germania-Strecken, die Flüge auf den City-Strecken von TUIfly, eine Kooperation mit Niki in Österreich.... es war eine gewaltige und schnelle Expansion mit viel Geld aus dem Börsengang im Jahr 2006. Jetzt heisst es: Rolle rückwärts. Air Berlin muss kräftig sparen. Die Sitzplatzkapazität soll um rund 2,2 Millionen Sitze reduziert werden. Unrentable Strecken fliegen aus dem Netz. Flüge auf Strecken wie Frankfurt - Hamburg, oder Stuttgart - St. Petersburg sollen wegfallen. Deutlich weniger Maschinen werden künftig von kleineren Flughäfen starten. Unter anderem fällt Erfurt sogar komplett aus dem Streckennetz.

Air Berlin wird sich auch von Flugzeugen trennen. Insgesamt 8 Maschinen sollen ausgeflottet werden. Man wolle sich in Zukunft auf die großen Drehkreuze wie Düsseldorf, Berlin oder Mallorca konzentrieren. Diese Drehkreuze würden laut  Hunold gut funktionieren und sollen weiter ausgebaut werden. Von Düsseldorf und Berlin aus startet Air Berlin auf Langstrecke - durch Zubringerflüge soll sichergestellt werden, das zumindest diese Maschinen auch gefüllt werden.

Nun soll es also - zunächst als Interims-CEO - Hartmut Mehdorn richten. Der 69-jährige, der vor zwei Jahren als Bahnchef aufs Abstellgleis gefahren wurde. Für ihn ist es ein Traumjob, so habe er doch eine Vorliebe für die Luftfahrt. Hatte Mehdorn ja sogar versucht, bei der Bahn ein Preissystem ähnlich wie bei Billigfliegern einzurichten. Das scheiterte gnadenlos. Bleibt zu hoffen, das er Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft wieder auf Vordermann bringen kann. Nicht, das Michael O'Leary eines Tages doch noch Recht behält mit seiner Prophezeiung. 2008 sagte der Ryanair-Chef in einem Interview, er sei sich sicher, das es Air Berlin in fünf Jahren nicht mehr gäbe.


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