Pilotenstreik bei Lufthansa ab Montag
Samstag, 20. Februar 2010 um 19:12

Der Streit zwischen der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit" (VC) und der Lufthansa hat sich am Samstag zugespitzt. Die Airline ist grundsätzlich zu Gesprächen bereit, stellt aber Bedingungen. Das lehnt VC ab.

Anliegen der Piloten ist nach eigenen Angaben vor allem die Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland. In den vergangenen Jahren hatte Lufthansa einige ausländische Unternehmen aufgekauft. Dort werden Piloten, so die Befürchtung von VC, zu schlechteren Bedingungen beschäftigt. Lufthansa hatte Gespräche zum Thema Arbeitsplatzsicherheit angeboten.

Rund 94 Prozent der zur Urabstimmung aufgerufenen Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings hatten für den Streik gestimmt, wie die Vereinigung Cockpit am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Damit unterstützen sie das Ziel der Pilotenvereinigung, Arbeitsplätze der Lufthansa Mitarbeiter in Deutschland zu sichern. Zunehmend ersetze Lufthansa traditionelle Strecken durch Angebote ihrer ausländischen Zukäufe wie Brussels Airlines, Austrian Airlines oder British Midland, so der Vorwurf der Gewerkschaft.

"In monatelangen Gesprächen haben wir dargelegt, zu welchen Zugeständnissen die Piloten bereit gewesen wären, so auch zu einer Nullrunde. Doch Lufthansa sah sich nicht in der Lage die geforderten Absicherungen gegen Verlagerung der deutschen Arbeitsplätze abzugeben", erklärt Markus Germann, Verhandlungsführer der Vereinigung Cockpit. Somit habe das Lufthansa-Management die nun folgenden Maßnahmen nicht nur zu verantworten, sondern provoziert. Die VC hat deshalb alle Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie sollen beginnen am Montag 22.02.2010 (00:00 Uhr) und bis Donnerstag 25.02.2010 (23:59 Uhr) dauern.terminal_muc250366

Seit 2006 ist nach VC-Angaben der Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen der Piloten regelt, gekündigt. Seit April 2009 ist auch der Vergütungstarifvertrag, in dem die Gehaltsstrukturen festgeschrieben sind, gekündigt. Somit besteht keine Friedenspflicht mehr - es darf also gestreikt werden.

"Der Kahlschlag bei den Lufthansa-Regionalgesellschaften Contact Air und Eurowings muss ein Ende haben", appelliert Germann. Durch die Entscheidung der Lufthansa alle 50-sitzigen Flugzeuge ersatzlos aus dem Programm zu nehmen verlieren hunderte Piloten ihren Arbeitsplatz. "Hier zeigt sich deutlich, dass auch die dortigen Haustarifverträge, die niedrigere Gehaltsstrukturen gewährleisten, keinen Schutz vor Arbeitsplatzabbau bieten können", so Germann weiter.

Die Lufthansa hat den Streik als illegal zurückgewiesen und kurzfristig einen Notflugplan erarbeitet. Peter Ramsauer (Bundesverkehrsminister, CSU) forderte die Tarifparteien zu weiteren Verhandlungen auf, um einen Streik zu verhindern.

Bei Lufthansa werden - wenn der Streik nicht noch in letzter Minute abgesagt wird - zwischen Montag und Donnerstag voraussichtlich zwei Drittel der Flüge ausfallen. Die Airline bietet weltweit täglich rund 1.800 Flüge. Bei Germanwings soll ein Ersatzflugplan 400 der 600 Flüge sichern. Andere Airlines wie Ryanair, easyjet oder Air Berlin sind von dem Streik nicht betroffen.