Lärm belastet - was können Flughäfen tun?
Freitag, 12. März 2010 um 18:31
Das Wachstum im Luftverkehr belastet die Bevölkerung im Umfeld der Flughäfen.Lärm ist dabei das größte Thema. Wie können die Flughäfen für Akzeptanz sorgen?

Akzeptanz ist notwendig, denn die steigenden Passagierzahlen führen zu steigenden Flugbewegungen. "Wir warten für das Jahr 2020 bis 2025 über 300 Millionen Passagieren an deutschen Flughäfen", sagt Ralph Beisel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV). Im letzten Jahr fertigten die Airports 180 Millionen Passagiere ab. 2002 waren es noch 120 Millionen. Wachstum und Prognosen sind nach Beisels‘ Einschätzung gesichert.

Beispiel Frankfurt. Seit 2001 gibt es rund um den Frankfurter Flughafen Diskussionen, wie weitere Kapazitäten geschaffen werden können. „Fast 70 Prozent des interkontinentalen Verkehr aus Deutschland laufen über Frankfurt“, betont Stefan Schulte vom Betreiber Fraport. Rund 71.000 Menschen arbeiten am Airport der Rhein-Main-Metropole. Die Betreiber haben seit 2001 versucht, mit einem Mediationsverfahren die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen. Nach Mediation und Planfeststellung soll im nächsten Jahr eine weitere Landebahn in Betrieb gehen.

In Berlin ist die Situation anders. Aus drei Standorten wird einer – damit werden viele Menschen vom Lärm entlastet. In der Region um den jetzigen Flughafen Schönefeld entsteht allerdings für viele Bewohner mehr Lärm. „Wir hatten nach dem Planfeststellungsbeschluss eine Gesprächsbasis und Dialogforen angeboten“, erklärt Flughafen-Chef Rainer Schwarz. Nach dem Planfeststellungsbeschluss hätten die Berliner Flughäfen einzelne Eigentümer enteignen können. Schwarz weiter: "Das haben wir in keinem einzigen Fall genutzt – uns war das Gespräch und eine einvernehmliche Lösung wichtiger." So konnte mit den Betroffeneneine Lösung gefunden werden.

airbus321lhDer Flughafen Frankfurt steht derzeit vor allem wegen der Nachflugbewegungen unter Druck. In erster Instanz stellte das Verwaltungsgericht in Kassel fest, dass die Nachflüge zwischen 23 und 5 Uhr auf maximal 17 Flugbewegungen zu begrenzen seien. Bisher finden nachts zwischen 40 und 50 Flugbewegungen statt. Für Berlin ist das kein Thema. "Wir kommen bis 2023 ohne Probleme hin und können mit den Beschränkungen beim Nachtflug leben", so Rainer Schwarz. Nachtflug ist vor allem für den Logistikflughafen Leipzig wichtig.

Akzeptanz fängt aber auch mit ganz kleinen Schritten an. "Wir mussten viele West-Berliner erst mal überzeugen, dass Schönefeld nicht kurz vor Sibirien, sondern direkt an der Stadtgrenze liegt und man dort schnell hinkommt", sagt Schwarz in Anspielung auf manche Befindlichkeit zum neuen BBI-Standort am ehemaligen DDR-Flughafen Schönefeld.

Unter dem Motto "Akzeptanz in der Bevölkerung von Ausbaumaßnahmen bei Flughäfen“ diskutierten Ralph Beisel von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughägen (ADV), Stefan Schulte vom Flughafenbetreiber Frankfurt Fraport und Rainer Schwarz von den Berliner Flughäfen. Die Diskussion fand im Rahmen des Aviation-Days auf der Internationalen-Tourismus-Börse (ITB) in Berlin statt.